Die Höhe der Kfz-Versicherungsprämie richtet sich unter anderem nach den sogenannten Regionalklassen. Grundlage dafür sind die Schadenanzahl und -höhe von Verkehrsunfällen je Zulassungsbezirk. Einige Regionen werden nächstes Jahr diesbezüglich günstiger oder teurer.

Nach Angaben des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) ändert sich im nächsten Jahr die Versicherungsprämie für die Kfz-Haftpflichtversicherung bei über einem Viertel der 413 Zulassungsbezirke in Deutschland und damit für mehr als jeden fünften Autobesitzer. Zudem gibt es bei rund jedem siebten kaskoversicherten Pkw eine Änderung bei der Höhe der Kfz-Kaskoversicherung aufgrund einer geänderten Schadenbilanz je nach Region.

Für jeden der 413 Zulassungsbezirke in Deutschland wird jährlich von einem unabhängigen Treuhänder eine Bilanz der Kfz-Haftpflicht-, Voll- und auch Teilkaskoschäden erstellt. Je nach Schadenhöhe und -häufigkeit einer Region im Vergleich zum bundesweiten Schadendurchschnitt wird der Zulassungsbezirk in eine bestimmte Regionalklasse eingestuft. Dazu gibt es in der Kfz-Haftpflichtversicherung zwölf, in der Teilkasko-Versicherung 16 und in der Vollkasko-Versicherung neun Regionalklassen.

Die Kfz-Versicherungsprämie richtet sich neben anderen Kriterien auch nach der jeweiligen Regionalklasse des Zulassungsbezirks, in dem das versicherte Kfz zugelassen ist. Je höher die eingestufte Regionalklasse, desto teurer ist die Versicherungsprämie. Vor Kurzem hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) die neueste und für die Kfz-Versicherer unverbindliche Regionalklassen-Statistik veröffentlicht. Durch die Änderungen wird sich bei 22 Prozent der Autos die Kfz-Haftpflichtprämie und bei 15 Prozent die Kaskoprämie ändern.

Änderungen der Regionalklassen in der Kfz-Haftpflicht- ...

Konkret wird von den insgesamt 42,0 Millionen zugelassenen Autos die bestehende Kfz-Haftpflichtversicherung bei rund fünf Millionen Fahrzeuge teurer und bei etwa 4,2 Millionen Pkws günstiger. Denn von allen Zulassungsbezirken hatten 56 eine schlechtere und 52 eine bessere Schadenbilanz als im Jahr davor und wurden entsprechend neu eingestuft. Bei den restlichen 305 Bezirken und den hier etwa 32,8 Millionen zugelassenen Pkws ändert sich nichts, da die Schadenbilanz sich nicht geändert hat.

„Die bundesweit beste Schadenbilanz in der Kfz-Haftpflichtversicherung errechneten die Statistiker des GDV für die Prignitz in Brandenburg – hier waren die Schäden 30 Prozent niedriger als im bundesweiten Durchschnitt“, betont Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des GDV. Eine besonders schlechte Schadenbilanz und damit hohe Regionalklassen weisen dagegen Großstädte, aber auch viele Regionen Bayerns auf. „Die schlechteste Schadenbilanz hatte wie schon in den Vorjahren Berlin. Dort waren die Schäden mehr als ein Drittel höher als im Bundesdurchschnitt“, sagt Asmussen.

Die meisten Regionalklassen bei den Zulassungsbezirken, die eine Änderung der Schadenbilanz aufwiesen, wurden um eine Klasse noch oben oder unten gestuft. Es gab jedoch zwei Regionen, bei denen sich die Schadenbilanz deutlich verschlechterte, sodass sie sogar um zwei Regionalklassen schlechter und damit höher eingestuft wurden. Das betraf den bayerischen Zulassungsbezirk Ostallgäu, der von sieben auf neun, sowie die Region Mansfeld-Südharz in Sachsen-Anhalt, die von zwei auf vier in der Kfz-Haftpflicht-Regionalklasse hochgestuft wurde.

… sowie in der Kfz-Voll- und Teilkaskoversicherung

Von allen rund 36,7 Millionen Pkws, für die eine Voll- oder Teilkaskoversicherung besteht, können sich etwa 3,5 Millionen Kfz-Halter über eine günstigere Versicherungsprämie aufgrund der Neueinstufung der Kasko-Regionalklassen freuen. Etwa zwei Millionen Pkws werden dagegen in eine schlechtere, also höhere Kasko-Regionalklasse eingestuft, was einen Prämienanstieg zur Folge haben kann. Für 31,2 Millionen Autos ändert sich bezüglich der Kasko-Regionalklassen-Einstufung nichts.

So gab es in Baden-Württemberg, Berlin, Bremen, Hamburg, Saarland und Sachsen in keinem Zulassungsbezirk eine Verschlechterung der Vollkasko-Regionalklassen. Hinsichtlich der Regionalklassen in der Teilkaskoversicherung traf dies auf Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland, Sachsen und Sachsen-Anhalt zu. Die höchste und damit teuerste Vollkasko-Regionalklasse, die Regionalklasse neun, haben nach der neuesten Einstufung wie bisher nur Berlin und die bayerischen Regionen Ostallgäu und Garmisch-Partenkirchen.

Die beste Regionalklasse eins weisen dagegen einige Zulassungsbezirke in Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen auf. Die schlechtesten Teilkasko-Regionalklassen haben bundesweit sechs Regionen in Bayern, nämlich Dingolfing-Landau, Garmisch-Partenkirchen, Passau und Straubing-Bogen mit Regionalklasse 13 sowie Ostallgäu und Rottal/Inn mit Regionalklasse 14. Die beste Teilkasko-Regionalklasse eins gibt es nur in Bayern, nämlich in Würzburg (Stadt) sowie in Nordrhein-Westfalen, hier in Münster/Westfalen.

Ab wann die Regionalklassen-Neueinstufungen gelten

Grundsätzlich ist die Regionalklassen-Einstufung, wie vom GDV veröffentlicht, für die Kfz-Versicherer unverbindlich, das heißt, sie können diese Statistik als ein Kriterium für die Ermittlung der Kfz-Versicherungsprämie heranziehen, müssen es aber nicht.

Für Kfz-Versicherungsverträge, deren Kfz-Versicherungsbeitrag sich auch nach den Regionalklassen, wie vom GDV veröffentlicht, richtet, gilt: Die geänderten Regionalklassen können ab Veröffentlichung bereits für Neuverträge gelten. Für bestehende Kfz-Versicherungen erfolgt die Festsetzung der Prämie aufgrund einer möglicherweise geänderten Regionalklasse üblicherweise zur nächsten Hauptfälligkeit und daher in der Regel zum 1. Januar des nächsten Jahres.

Wer wissen will, in welche Regionalklasse der jeweilige Wohnort in der Kfz-Haftpflicht-, Voll- oder Teilkasko-Versicherung aktuell eingestuft ist oder ob sie sich für 2022 ändert, kann dies online unter www.gdv.de/regionalklassen-abfrage prüfen.

Quelle: (verpd)

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