Der Krankenstand hat sich letztes Jahr gegenüber dem Vorjahr nicht verändert. Änderungen gab es jedoch bei der Anzahl und Dauer der Krankschreibungen je Arbeitnehmer, wie eine Studie belegt. Sie zeigt auch, welche Leiden am häufigsten dazu führen, dass Beschäftigte krankheitsbedingt ausfallen.

Über die Hälfte der gesetzlich krankenversicherten Arbeitnehmer waren letztes Jahr mindestens einmal krankgeschrieben. Während sich jedoch im Vergleich zum Vorjahr im Schnitt die Dauer der Arbeitsausfälle wegen Krankheit reduziert hat, ist die durchschnittliche Anzahl der Krankschreibungen je Arbeitnehmer etwas gestiegen. Die meisten Krankheitstage, nämlich mehr als jeder fünfte, wurden durch Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems verursacht. Dies sind die Ergebnisse einer Datenauswertung einer gesetzlichen Krankenkasse.

Jedes Jahr erstellt das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) einen Fehlzeiten-Report. Nach dem aktuellen Report betrug der Krankenstand letztes Jahr 5,4 Prozent und war damit genauso hoch wie 2019 und 2020. Der Krankenstand gibt Auskunft über den prozentualen Anteil der angefallenen Arbeitsunfähigkeitstage gegenüber der Anzahl aller Kalendertage eines Jahres.

Datengrundlage der Auswertung waren die Daten der rund 14,6 Millionen gesetzlich krankenversicherten Erwerbstätigen, die bei der Krankenkasse AOK Mitglieder sind.

Mehr als jeder Zweite war krankgeschrieben

Die AOK-Daten der Beschäftigten mit einer gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) belegen zudem, dass mehr als jeder zweite, nämlich 50,5 Prozent, letztes Jahr mindestens einmal krankgeschrieben war. 2020 lag der Wert noch bei 50,7 Prozent und 2019 sogar bei 52,8 Prozent.

Von den bei der genannten Krankenkasse versicherten Erwerbstätigen waren 2021 im Detail insgesamt 22,5 Prozent einmal, 12,4 Prozent zweimal und 15,6 Prozent dreimal oder noch öfter krankgeschrieben. Keine krankheitsbedingten Arbeitsausfälle gab es dagegen bei 49,5 Prozent der Erwerbstätigen.

Im Durchschnitt legte damit ein GKV-versicherter Arbeitnehmer letztes Jahr fast 1,49 Krankschreibungen vor und damit 3,2 Prozent mehr als 2020. Im Gegensatz dazu sank die Dauer der Krankheitsausfälle letztes Jahr gegenüber dem Vorjahr um 3,9 Prozent auf fast 13,2 Krankentage je Krankschreibung.

Die häufigsten Leiden, die Arbeitsausfälle verursachen

Ein Großteil der krankheitsbedingten Ausfallzeiten, nämlich 62,1 Prozent, wird durch nur sechs Krankheitsarten verursacht. Die meisten Krankentage, nämlich 21,5 Prozent, gehen auf das Konto von Muskel- und Skelett-Erkrankungen.

Die zweithäufigsten Arbeitsausfälle, nämlich zwölf Prozent der Ausfalltage, sind auf psychische Erkrankungen zurückzuführen. Beide genannten Leiden zusammen verursachten damit über ein Drittel aller Krankentage.

Jeder zehnte Ausfalltag ist auf Verletzungen zurückzuführen. Rund 9,8 Prozent aller Krankentage fallen wegen Atemwegserkrankungen an. Ebenfalls ein erhöhtes Krankheitsaufkommen ist auf Krankheiten des Kreislaufsystems und der Verdauungsorgane zurückzuführen. Sie waren der Grund für 4,9 Prozent beziehungsweise 3,9 Prozent aller angefallenen Krankheitstage.

Im Schnitt fast 30 Tage krank wegen psychischer Probleme

Die Krankheitsart mit der durchschnittlich längsten Ausfalldauer je Krankschreibung waren psychische Erkrankungen. Auf jede Arbeitsunfähigkeit mit dieser Erkrankung entfielen im Schnitt 29,7 Krankentage.

Ebenfalls lange Arbeitsausfälle sind auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit 19,3 Tagen, auf Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 17,6 Tagen und auf Verletzungen mit 16,3 Tagen je Krankschreibung zurückzuführen. Die genannten vier Krankheiten verursachten letztes Jahr 60 Prozent aller Langzeiterkrankungen mit einer Ausfalldauer von mehr als sechs Wochen.

Mehr als ein Drittel (35,0 Prozent) aller vorgelegten Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigungen entfielen auf Kurzzeiterkrankungen mit einer Krankheitsdauer von ein bis drei Ausfalltagen. Sie verursachten nur etwa 5,2 Prozent aller angefallenen Krankheitstage. Obwohl nur bei etwa jeder 20. Krankschreibung (5,1 Prozent) die Krankheitsdauer länger als sechs Wochen war, entfiel der größte Anteil der Krankentage mit 46,3 Prozent dagegen auf diese Langzeiterkrankungen.

Schutz vor Einkommenseinbußen

Wer als Arbeitnehmer überdurchschnittlich gut verdient, muss bei einer Erkrankung von mehr als sechs Wochen mit erheblichen Einkommensausfällen rechnen. Denn nach der maximal sechswöchigen Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber ist das als Lohnersatzleistung von der Krankenkasse gezahlte Krankengeld deutlich niedriger als das bisherige Nettogehalt.

Arbeitnehmer haben bei einer Arbeitsunfähigkeit, die nicht unter den Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung fällt, maximal 78 Wochen lang Anspruch auf 70 Prozent des bisherigen Bruttolohns, aber höchstens 90 Prozent des Nettoeinkommens. Die Arbeitgeber-Lohnfortzahlung ist in dieser maximalen Bezugsdauer bereits miteingerechnet.

Für die Höhe des Krankengeldes wird maximal das Einkommen bis zur Beitragsbemessungs-Grenze der GKV berücksichtigt. Wer mehr verdient, bekommt höchstens 70 Prozent dieser Beitragsbemessungs-Grenze als Krankengeld ausbezahlt. Zudem gilt: Wer wegen der gleichen, nicht ausgeheilten Krankheit binnen drei Jahren mehrmals krankgeschrieben wird, erhält insgesamt maximal für 78 Wochen – inklusive der sechswöchigen Lohnfortzahlung – Krankengeld.

Danach entfällt die Krankengeldzahlung. Arbeitnehmer und auch Selbstständige können jedoch mit einer privaten Krankentagegeld-Versicherung einen Großteil der Einkommenseinbußen, die sie aufgrund der Höhe und der Auszahlungsdauer des Krankengeldes im Krankheitsfall haben, verhindern. Umfassende Informationen dazu erhält man auf Wunsch vom Versicherungsvermittler.

Quelle: (verpd)

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