Wie offizielle Statistiken belegen, ist die Zahl der Pflegebedürftigen weiter gestiegen. Zudem hat die soziale Pflegeversicherung rund 2,4 Milliarden Euro weniger eingenommen als ausgegeben. Zwei Kostenbereiche waren besonders hoch.

Die soziale Pflegeversicherung (SPV) nahm letztes Jahr nach den Daten des Bundesministeriums für Gesundheit mit 36,1 Milliarden Euro zwar fast 13 Prozent mehr ein als noch in 2016. Allerdings sind die Gesamtausgaben im gleichen Zeitraum um über 24 Prozent auf 38,5 Milliarden Euro gestiegen. Die Statistik des Spitzenverbands Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) belegt, dass die größten Ausgabeposten die vollstationäre Pflege und die Geldleistungen für die ambulante Pflege waren. Zudem ist die Zahl der Pflegebedürftigen auf rund 3,3 Millionen Personen gestiegen.

Die Gesamtausgaben in der gesetzlichen (sozialen) Pflegeversicherung (SPV) stiegen laut Bundesministerium für Gesundheit (BMG) in 2017 im Vergleich zu 2016 von 31,0 Milliarden Euro auf 38,5 Milliarden Euro und damit um 24,3 Prozent an.

Demgegenüber stehen Einnahmen von 36,1 Milliarden Euro in 2017, das ist ein Zuwachs gegenüber 2016 um 12,7 Prozent. Während Ende 2016 die SPV insgesamt noch einen Überschuss von rund eine Milliarde Euro aufwies, fehlten 2017 sogar 2,4 Milliarden Euro für ein ausgeglichenes Einnahmen-Ausgaben-Verhältnis.

Fast 26 Prozent mehr Ausgaben für Leistungen

Alleine die Leistungsausgaben des SPV erhöhten sich von 28,3 Milliarden Euro in 2016 um circa 25,6 Prozent auf 35,5 Milliarden Euro in 2017. In den letzten fünf Jahren vorher waren es noch zwischen 4,6 bis 9,9 Prozent. Eine Ursache für den Ausgabenanstieg ist die wachsende Zahl der Pflegebedürftigen, die Leistungen aus der SPV erhalten. 2016 waren es 2,96 Millionen Pflegebedürftige, ein Jahr später bereits 11,5 Prozent mehr, nämlich 3,30 Millionen Betroffene. In den letzten fünf Jahren stieg die Zahl der Pflegebedürftigen noch zwischen 3,4 und 5,3 Prozent an.

Einen weiteren Grund sieht der Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) vor allem in den „Leistungsausweitungen der Pflegeversicherung seit Anfang 2017“. Unter anderem gab es zum 1. Januar 2017 eine Änderung des Pflegebedürftigkeits-Begriffs, also der Festlegung, wann eine Person als pflegebedürftig gilt. Zudem werden seitdem die Pflegebedürftigen in fünf Pflegegrade statt wie bisher in drei Pflegestufen eingestuft.

Und auch die Leistungen, also das Pflegegeld und die Sachleistungen für ambulante Pflege sowie die Leistungen für die stationäre Pflege wurden in vielen Fällen erhöht. Um die Änderungen zu finanzieren, wurde der Beitragssatz der gesetzlichen Pflegeversicherung ab 2017 um 0,2 Prozentpunkte auf 2,55 Prozent beziehungsweise für Kinderlose auf 2,8 Prozent angehoben. Dennoch verblieb ein Defizit von rund 2,4 Milliarden Euro, welches mit den Rücklagen der SPV ausgeglichen wurde.

Der größte Ausgabenposten

Während die Rücklagen Ende 2016 noch insgesamt rund 9,3 Milliarden Euro betrugen, schrumpfte damit die Reserve bis Ende 2017 auf 6,9 Milliarden Euro.

Die vor Kurzem veröffentlichten Daten des GKV-Spitzenverbandes zeigen auf, in welchen Bereichen die meisten Ausgaben angefallen sind. Der größte Ausgabenanteil mit 13,0 Milliarden Euro beziehungsweise 36,6 Prozent aller Leistungsausgaben hatte die vollstationäre Pflege. 2016 waren es noch 10,9 Milliarden Euro, was damals 38,6 Prozent der Gesamtausgaben für die SPV-Leistungen entsprach.

Während die Ausgaben für die vollstationäre Pflege von 2016 auf 2017 um knapp 19,2 Prozent gestiegen sind, waren es im Fünfjahreszeitraum vorher nur jährlich zwischen 1,0 bis 4,7 Prozent.

46 Prozent höhere Ausgaben für Geldleistungen

Besonders hoch war jedoch der Anstieg für die Geldleistungen wie das Pflegegeld in der ambulanten Pflege. Diese stiegen von 6,8 Milliarden Euro in 2016 auf fast 10,0 Milliarden Euro in 2017 und damit um 46,1 Prozent an. Von 2012 bis 2016 betrug der Anstieg pro Jahr dagegen nur zwischen 4,4 und 12,0 Prozent. Die Geldleistungen für die ambulante Pflege belegten letztes Jahr mit 28,1 Prozent der Gesamtleistungsausgaben den zweiten Platz der größten Kostenbereiche.

Der drittgrößte Ausgabenposten bei den Leistungen fiel mit 4,5 Milliarden Euro auf die Pflegesachleistungen wie Kosten für einen professionellen Pflegedienst, was einem Anteil an den Gesamtleistungsausgaben von 12,6 Prozent entsprach und zudem 17,5 Prozent mehr war als 2016. Damals waren es nämlich 3,8 Milliarden Euro und damit 13,5 Prozent der gesamten Leistungsausgaben.

Die restlichen Leistungsausgaben in Höhe von rund acht Milliarden Euro entfielen auf die soziale Sicherung von Pflegepersonen (1,5 Milliarden Euro), zusätzliche Betreuungsleistungen und stationäre Vergütungszuschläge (2,53 Milliarden Euro) und sonstige Leistungen. Zu den sonstigen Leistungen zählen zum Beispiel die Verhinderungspflege, die zusätzliche Tages- und Nachtpflege, die Kurzzeitpflege sowie Hilfsmittel und Wohnumfeld-Verbesserungen für Pflegebedürftige.

Was das Bundesministerium für Gesundheit rät

Damit im Fall des Falles für Betroffene der eingetretene Pflegefall nicht zum finanziellen Risiko und für Angehörige nicht zur Belastung wird, empfiehlt es sich bereits frühzeitig vorzusorgen – nicht zuletzt, um auch unabhängig von der finanziellen Entwicklung der SPV später gut abgesichert zu sein. Welche Leistungen einem Pflegebedürftigen und seinen Angehörigen von der sozialen Pflegeversicherung beziehungsweise der privaten Pflegepflicht-Versicherung zustehen, wird in der kostenlos herunterladbaren 200-seitigen Broschüre des BMG „Ratgeber Pflege“ ausführlich erklärt.

Unter anderem wird in dem Ratgeber vom BMG auch darauf hingewiesen, dass eine private Pflegevorsorge notwendig ist. Konkret ist zu lesen: „Da die gesetzliche Pflegeversicherung nur die Grundversorgung absichert und die tatsächlichen Pflegekosten in der Regel höher ausfallen, ist eine zusätzliche private Vorsorge wichtig.“

Auf Wunsch berät ein Versicherungsfachmann darüber, inwieweit der Einzelne aktuell im Pflegefall abgesichert ist und mit welchen Versicherungslösungen, teils sogar mit staatlicher Unterstützung, sich mögliche finanzielle Absicherungslücken schließen lassen.

Quelle: (verpd)

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