Recht haben und Recht bekommen, ist oft eine Frage des Geldes, wie eine Untersuchung herausfand. Der Gang zum Anwalt wird ohne entsprechende Absicherung zu einer sehr persönlichen Ermessensfrage.

Wer eine Rechtsschutz-Versicherung hat, geht eher zum Anwalt. Menschen ohne eine solche Police haben viel häufiger Angst vor dem Scheitern und scheuen den Rechtsweg. Da muss der Leidensdruck – sprich: der Streitwert – entsprechend hoch sein. Zudem wünschen sich die Deutschen mehr Digitalisierung bei den Gerichten. Zu diesen Erkenntnissen kommt eine Studie des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V.

Wer sich rechtlich übergangen fühlt, schaltet einen Anwalt ein, der die Interessen seines Klienten vertreten soll. So zumindest die Theorie. In der Praxis scheitert aber bereits dieser erste Schritt, um eine Rechtsfrage zu klären, an finanziellen Erwägungen.

Dies zeigt eine Untersuchung des Marktforschungs-Instituts Yougov Deutschland GmbH im Auftrag des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV). Für die Studie wurden vom 19. bis 21. Oktober 2022 2.074 Bundesbürger ab 18 Jahren in Online-Interviews befragt.

Recht haben und Recht bekommen – eine Frage des Geldes?

Grundsätzlich halten die Bürger hierzulande eine Rechtsschutzversicherung für wichtig. Laut einer anderen Umfrage des Institut für Demoskopie Allensbach Gesellschaft zum Studium der öffentlichen Meinung mbH (IfD) im Auftrag eines Finanzdienstleisters setzen sie diese Absicherung mit 23 Prozent auf Platz Nummer drei der wichtigsten Versicherungen. Dennoch hat noch lange nicht jeder einen solchen Versicherungsschutz.

Nicht zuletzt deshalb werden viele Rechtsstreitfälle gar nicht vor Gericht gebracht. Denn laut dem GDV fürchten rund 70 Prozent derjenigen ohne Versicherung, dass sie mehr investieren müssen als wirtschaftlich sinnvoll wäre. Zudem glauben 64 Prozent, dass sie sich finanziell keine Klage leisten können. Rund 60 Prozent hätten Angst davor, sich den Anwalt nicht leisten zu können und während des Prozesses aufgeben zu müssen.

„Die Kosten eines Rechtsstreits sind für viele Verbraucher/-innen eine große und allzu oft unüberwindbare Hürde. Die Chance zu ihrem Recht zu kommen, muss aber für alle gleich sein und darf nicht an den Kosten scheitern“, betont diesbezüglich GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen.

Ab wann vor Gericht gezogen wird

Das Geld entscheidet nicht nur darüber, ob jemand vor Gericht zieht, sondern auch wann. Je höher der Streitwert, desto wahrscheinlicher ist der Gang zum Rechtsanwalt. Bei einem Streitwert von 5.000 Euro würden laut GDV 44 Prozent derjenigen ohne eine entsprechende Rechtsschutzpolice vor Gericht ziehen. Bei einem Streitwert von 1.000 Euro wiederum würden lediglich 34 Prozent den Prozess in Erwägung ziehen.

Die Arbeit von Anwälten und Gerichten wird als langwierig und teuer eingeschätzt, so der GDV. Trotzdem habe die Bevölkerung Vertrauen zu den Gerichten und bewerte deren Arbeit als fair. Ein Malus ist die mangelnde Digitalisierung des Justizsystems. Die Arbeit wird als zu wenig digital, bürgernah und modern eingeschätzt, wie es aus der Umfrage hervorgeht.

Die höchste Priorität hat für die Verbraucher der schnelle und unkomplizierte Zugang zur juristischen Beratung. Das wurde mit 86 Prozent als Häufigstes genannt. Direkt dahinter rangiert der Zugriff auf spezialisierte Anwälte vor Ort, die sich besonders mit dem geforderten Thema auskennen – 82 Prozent fordern dies. Spezielle juristische Themengebiete gibt es etliche.

Bedarfsgerechter Versicherungsschutz

Die obigen Sorgen unterstreichend, wenden sich Nicht-Versicherte erst spät an den Anwalt. Wer wiederum im Besitz einer solchen Versicherung ist, geht zu 82 Prozent gleich zu einem Rechtsvertreter. Grundsätzlich können Streitigkeiten in den verschiedensten Lebensbereichen vorkommen.

Eine Privat- und Berufsrechtsschutz-Versicherung übernimmt zum Beispiel die Anwalts- und Prozesskosten für zahlreiche Fälle, wenn es im privaten oder beruflichen Bereich zu gerichtlichen Auseinandersetzungen kommt. In den meisten dieser Policen sind auch Streitigkeiten im Rahmen von Verbraucherverträgen wie Reiseverträgen und auch Kaufverträgen von Möbeln oder Elektrogeräten mit abgesichert.

Kfz-Halter und Kfz-Fahrer können sich mit einer Verkehrsrechtsschutz-Versicherung bei Ärger rund um das Kfz und für Rechtsstreitigkeiten im Rahmen eines Unfalles absichern. Für Mieter oder Immobilieneigentümer, die sich vor dem Kostenrisiko im Streitfall mit dem Mieter oder Vermieter schützen möchten, werden Wohnungs- und Grundstücks-Rechtsschutz-Policen angeboten.

Es gibt aber auch Kombi-Policen, wie eine Privat-, Berufs- und Verkehrsrechtsschutz-Versicherung, die mehrere Rechtsbereiche absichern. Für Firmen, Freiberufler und Landwirte werden spezielle Rechtsschutz-Versicherungen angeboten, die diverse Streitfälle aus beruflichen und teils auch aus privaten Bereichen abdecken. Ein Versicherungsfachmann berät, welche Police entsprechend dem individuellen Bedarf am sinnvollsten ist.

Quelle: (verpd)

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