Zwar gab es in den letzten 35 Jahren noch nie so wenig polizeilich registrierte Fahrraddiebstähle wie 2021, allerdings gibt es erhebliche Unterschiede bei der Diebstahlhäufigkeit von Fahrrädern unter den Bundesländern sowie unter den 401 Landkreisen beziehungsweise Kreisen und kreisfreien Städten.

Letztes Jahr wurden knapp 233.600 Fahrräder bei der Polizei als gestohlen gemeldet. Das sind über zehn Prozent weniger als im Vorjahr. Die aktuelle Polizeiliche Kriminalstatistik zeigt jedoch, dass nicht nur das Risiko, Opfer eines Fahrraddiebes zu werden, deutliche regionale Unterschiede aufweist. Eine Hochburg der Fahrraddiebe ist beispielsweise Leipzig. Doch auch die Chance, dass der Diebstahl aufgeklärt wird, variiert je nach Bundesland sowie nach Landkreis, Kreis oder kreisfreien Städten erheblich.

Nach den Daten der kürzlich vom Bundeskriminalamt veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik 2021 (PKS 2021) wurden 2021 insgesamt 233.584 Fahrräder bei der Polizei als gestohlen gemeldet. Das sind über zehn Prozent weniger als 2021 und zudem der niedrigste Wert seit 1987 – frühere Jahre sind in der PKS nicht aufgeführt. Gegenüber 1994, dem Jahr mit den meisten Fahrraddiebstählen – damals waren es 529.763 gestohlene Velos –, hat sich die Fallzahl sogar mehr als halbiert.

Letztes Jahr wurden in Relation zur Einwohnerzahl 281 Fahrräder je 100.000 Einwohner widerrechtlich entwendet – 2020 betrug die Klaurate noch 314 und 2019 335. Die meisten Velodiebstähle je Einwohner gab es 1992, damals lag die Diebstahlquote bei 672 Velos pro 100.000 Einwohner. Insgesamt sind die Anzahl der Fahrraddiebstähle und die Diebstahlrate seit 2014 jedes Jahr gesunken. Wenig verändert hat sich dagegen die Aufklärungsquote, die 2021 bei 9,9 Prozent lag. Geblieben ist auch, dass das Diebstahlrisiko und die Aufklärungsquoten regional unterschiedlich sind.

Saarland hat die niedrigste Fahrrad-Diebstahlquote

Auf Bundesländerebene bestand das niedrigste Diebstahlrisiko im Saarland. Hier wurden 74 Fahrräder pro 100.000 Einwohner gestohlen. Deutlich unter der bundesweiten Klaurate von 281 lagen auch die Bundesländer Rheinland-Pfalz mit 124, Baden-Württemberg mit 148, Bayern mit 164 und Thüringen mit 172 entwendeten Velos pro 100.000 Einwohner.

Auch Hessen und Mecklenburg-Vorpommern hatten mit 213 beziehungsweise 266 gestohlenen Fahrrädern je 100.000 Einwohner noch eine Diebstahlrate unter dem Bundesdurchschnitt.

Eine etwas höhere Diebstahlquote als im Schnitt in Gesamtdeutschland gab es in Niedersachsen (Klaurate 293), in Schleswig-Holstein (Klaurate 304), in Nordrhein-Westfalen (Klaurate 308), in Brandenburg (Klaurate 405), in Sachsen-Anhalt (Klaurate 413) und in Sachsen (Klaurate 415). Die meisten anteiligen Velodiebstähle im Vergleich zur Einwohneranzahl verzeichneten Berlin mit 694, Hamburg mit 772 und Bremen mit 777 geklauten Fahrrädern pro 100.000 Einwohner. Damit wurden in Hamburg und Berlin zehnmal mehr Fahrräder je 100.000 Einwohner gestohlen als im Saarland.

Hohes Diebstahlrisiko in einwohnerstarken Regionen

Noch extremer sind die Diebstahlraten, wenn man die Landkreise, Kreise sowie kreisfreien Städte betrachtet. In der Region mit der höchsten Klaurate, nämlich in Leipzig, wurden fast 100-mal mehr Velos pro 100.000 Einwohner geklaut als in Kusel, dem Landkreis mit der niedrigsten Klaurate. Die vier höchsten Klauraten mit zwischen 1.021 und 1.375 Fahrraddiebstählen je 100.000 Einwohner gab es in Halle (Saale), Potsdam, Münster und Leipzig, allesamt kreisfreie Städte.

Die vier niedrigsten Diebstahlraten, nämlich zwischen 14 und 25 gestohlenen Velos pro 100.000 Einwohner, hatten die Landkreise Kusel, Freyung-Grafenau, Freudenstadt, Odenwaldkreis, Südwestpfalz und Kaiserslautern. Auffällig ist, dass bei den ersten 22 Regionen mit den höchsten Diebstahlquoten je Einwohner nur kreisfreie Städte und ein Stadtkreis zu finden sind, jedoch kein einziger Landkreis.

Umgekehrt bestehen die 33 Regionen mit der niedrigsten Klaurate ausschließlich aus Landkreisen. Auch die Tatortverteilung belegt, dass das Diebstahlrisiko in Regionen mit einer besonders hohen Einwohnerdichte oftmals höher ist als in wenig besiedelten Bereichen. So wurden rund 31.600 Diebstähle in Kommunen mit weniger als 20.000 Einwohner gemeldet, dagegen fast 86.300 derartige Delikte in Großstädten mit 500.000 oder mehr Einwohnern.

Hamburg hat die niedrigste Aufklärungsquote

Seit Jahren haben sich die Aufklärungsquote und damit die Chance, dass man ein gestohlenes Rad zurückbekommt, nur wenig verändert. Zwar gab es in 2021 mit 9,9 Prozent eine leichte Steigerung gegenüber 2020 mit damals 9,8 Prozent, dennoch wird seit Jahren nur rund jeder zehnte polizeilich gemeldete Velodiebstahl aufgeklärt. Deutliche Unterschiede gibt es diesbezüglich jedoch bei den Regionen.

Die höchste Aufklärungsquote von allen Bundesländern hatte Thüringen mit 18,5 Prozent. Auch bei sieben weiteren Bundesländern lagen die Aufklärungsquoten über dem Bundesdurchschnitt: nämlich im Saarland und in Niedersachsen (je 15,2 Prozent), in Bayern (14,7 Prozent), Sachsen (13,5 Prozent), Sachsen-Anhalt (12,6 Prozent), Rheinland-Pfalz (12,1 Prozent) und Baden-Württemberg (10,4 Prozent).

Die nahezu gleiche Aufklärungsquote wie im Bundesdurchschnitt wiesen die Bundesländer Hessen und Mecklenburg-Vorpommern mit je 9,9 Prozent auf. Niedriger als im deutschlandweiten Durchschnitt waren die Aufklärungsquoten in Schleswig-Holstein (9,6 Prozent), Nordrhein-Westfalen (8,2 Prozent), Brandenburg (7,6 Prozent), Bremen (5,4 Prozent) und Berlin (4,6 Prozent). Die wenigsten Fälle, nämlich nur 3,9 Prozent der Fahrraddiebstähle, wurden in Hamburg aufgeklärt.

Quelle: (verpd)

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