Jeder private Haushalt muss derzeit wohl finanzielle Abstriche machen. Ganz oben auf der Liste steht bei der Mehrheit Energie sparen. Wie Verbraucher bei ihren Einsparbemühungen die private Altersvorsorge einordnen und was diesbezüglich erforderlich wäre, hat eine Umfrage ermittelt.

Über die finanzielle Absicherung im Ruhestand herrscht große Unsicherheit. Die Teuerungsrate nötigt die Verbraucher insgesamt zu Einschränkungen. Einzahlungen für die Rente will nur eine Minderheit kürzen – oder nur, wenn es wirklich nicht anders geht. Das belegt der Altersvorsorge-Index einer Forschungseinrichtung.

Die Inflation, getrieben von steigenden Energiekosten, frisst Teile des Haushaltseinkommens auf. Dennoch wollen die Bürger nur als letzte Option bei der eigenen Vorsorge für die Rente sparen. Davor stehen für die Verbraucher andere Posten auf der Streichliste.

Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Altersvorsorge-Index des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung GmbH (Diva). Die Diva ist eine Forschungseinrichtung des Bundesverbands Deutscher Vermögensberater e.V. (BDV) und der Fachhochschule der Wirtschaft Nordrhein-Westfalen gGmbH (FHDW). Die Träger der Diva sind Verbände der Finanzindustrie.

Zweimal im Jahr veröffentlicht das Institut einen Geldanlage- sowie einen Altersvorsorge-Index, die Einstellungen zu Finanzfragen messen sollen.

Unsicherheit in punkto Altersvorsorge steigt

Die aktuelle Umfrage zeigt eine steigende Skepsis der Bevölkerung gegenüber der eigenen Finanzlage im Ruhestand. Seit Beginn der Erhebung vor zwei Jahren ist der halbjährlich erhobene Messwert zum vierten Mal in Folge gefallen. Die Kennzahl startete im Herbst 2020 bei plus 3,4 Punkten und liegt mittlerweile bei minus 5,4 Punkten – ein neuer Tiefststand. Im Frühjahr wurden minus 3,2 Punkte ermittelt.

Die Kennziffer basiert auf einer nach Diva-Angaben repräsentativen Befragung von rund 2.000 Personen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren. Die Erhebung wurde im September 2022 vom Markt- und Sozialforschungs-Institut Insa-Consulere GmbH durchgeführt.

Rund 84 Prozent der Befragten rechnen damit, dass die aktuell hohe Inflation noch einige Jahre anhält. 80 Prozent sorgen sich wegen der Inflation um ihre künftige Altersrente. Und 76 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass sie sich wegen der Inflation erheblich finanziell einschränken müssen.

Geplante Einsparungen bei Energieverbrauch und Alltagsausgaben

Mit Blick auf die Differenz zwischen Lohnsteigerungen und Inflation gehe es bei den Einsparungen der privaten Haushalte nicht mehr nur um den täglichen Bedarf. Zunehmend rückten auch langfristige Ersparnisse und die Vorsorge in den Fokus, so Diva zur Erhebung in einer Mitteilung.

Hier fragte das Institut bei den Verbrauchern konkret nach, wie sie sich in den kommenden Monaten einschränken wollen. Auf Platz eins mit 56,4 Prozent der Befragten steht der Energieverbrauch: weniger heizen, weniger Auto fahren, Stromfresser abschalten.

Danach folgen Einsparpläne bei Kleidung (52,8 Prozent), bei Kultur, Sport und Freizeit (48,5 Prozent), bei größeren Anschaffungen wie dem Autokauf (48,5 Prozent) und die Kündigung von Abos (44,6 Prozent). Für den Urlaub wollen 44,3 Prozent weniger ausgeben. Beim täglichen Konsum wollen sich 43,5 Prozent einschränken.

Als „überraschend und ermutigend zugleich“ kommentiert Diva, dass Sparen bei der privaten Altersvorsorge mit 20,5 Prozent der Angaben das Schlusslicht auf der Liste darstelle. Für knapp doppelt so viele Teilnehmer (38,1 Prozent) kommt Verzicht bei der Rücklagenbildung für den Ruhestand nur „als allerletzte Option in Frage“, wie das Institut unterstreicht.

Inflation macht mehr Rücklagen für die Rente erforderlich

Das Problem: Die Inflation verteuere auch das Leben im Alter, denn die Preise würden in den meisten Bereichen nicht wieder sinken, lässt sich Dr. Helge Lach, Vorsitzender des BDV, zitieren. Beispielsweise werden die Ausgaben für den Lebensunterhalt wie Nahrungsmittel und Wohnkosten jedes Jahr teurer.

„Eigentlich müsste man deshalb sogar mehr statt weniger fürs Alter zurücklegen. Dies gilt umso mehr bei den aktuellen Inflationsraten von acht bis zehn Prozent, die allein durch die Rendite aus den Vorsorgeverträgen kaum kompensiert werden können. Da helfen auch die jüngsten Zinserhöhungen nur marginal“, so Dr. Lach.

Sein Rat: Bei Altersvorsorgeverträgen dynamische Anpassungen vereinbaren. „Die meisten können das finanzieren, denn schließlich steigen ja im Laufe des Lebens auch die Einkommen“, ist Lach überzeugt.

Grundsätzlich sollte man also nicht nur die Lücke zwischen der bisherigen Einkommens- und der künftigen Rentenhöhe schließen, sondern auch die Wertminderung der Alterseinkünfte infolge der Inflation absichern. In einem ausführlichen Beratungsgespräch kann ein Versicherungsfachmann die hierzu notwendigen Analysen und Berechnungen erstellen und individuell passende Absicherungslösungen anbieten.

Quelle: (verpd)

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