Das Meinungsklima zur finanziellen Absicherung des eigenen Ruhestands erreicht einen neuen Tiefpunkt.

Der Altersvorsorge-Index des Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung fällt zum vierten Mal in Folge. Mittlerweile halten fast vier von zehn Bürgern ihre eigene Altersvorsorge für unzureichend. Beim Blick in die Zukunft erwarten 61 Prozent, dass sich das Versorgungsniveau der gesetzlichen Rentenversicherung verschlechtern wird.

Die Skepsis der Bevölkerung gegenüber der eigenen Finanzlage im Ruhestand verfestigt sich. Dies zeigt eine aktuelle Studie der Deutsches Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung GmbH (Diva). Die Diva ist eine Forschungseinrichtung der Fachhochschule der Wirtschaft Nordrhein-Westfalen gGmbH (FHDW). Die Träger der Diva sind Verbände der Finanzindustrie.

Die seit 2020 alle sechs Monate veröffentlichte Studie basiert nach Diva-Angaben auf repräsentative Befragungen. Aus diesen Umfrageergebnissen wird jeweils ein sogenannter Altersvorsorge-Index ermittelt, der angibt, wie die Befragten die aktuelle Lage und die künftigen Perspektiven hinsichtlich der persönlichen Altersvorsorge einschätzen.

Je höher der Indexwert, desto positiver sind die Befragten bezüglich der jeweiligen Aspekte der Altersvorsorge gestimmt und umgekehrt. Die letzte Umfrage wurde im September von der Insa-Consulere GmbH unter rund 2.000 Personen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren durchgeführt.

Der Teilindex zur aktuellen Situation fällt besonders negativ aus

Seit Beginn der Erhebung ist der Messwert zum vierten Mal in Folge gefallen. Die Kennzahl startete im Herbst 2020 bei plus 3,4 Punkten und liegt mittlerweile bei minus 5,4 Punkten – ein neuer Tiefststand. Im Frühjahr dieses Jahres wurden minus 3,2 Punkte ermittelt.

Der Index gliedert sich in die zwei Teilindizes „Aktuelle Lage“ und „Künftige Erwartungen“. Während sich der Blick in die Zukunft nur leicht verschlechterte (von 0,6 auf 0,0), rutschte die Einschätzung der gegenwärtigen Situation in den Keller (von minus 7,0 auf minus 10,9).

„Das ist nicht verwunderlich“, wird Professor Dr. Michael Heuser, Wissenschaftlicher Direktor des Diva zitiert. „Die Zeitungen sind voll von Negativmeldungen mit düsterem Ausblick. Dieses Stimmungsbild fließt natürlich auch in die Bewertung der Altersvorsorge ein.“

Fast 39 Prozent halten die eigene Vorsorge für unzureichend

Derzeit fühlen sich nur noch 23,6 Prozent der Befragten im Rahmen der gesetzlichen, betrieblichen und/oder privaten Altersvorsorge gut abgesichert. Im Herbst 2021 waren es noch 27,3 Prozent.

Zumindest einigermaßen ausreichend für den Lebensabend finanziell vorbereitet zu sein, glauben 37,8 Prozent. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres traf dies noch auf 38,9 Prozent der Umfrageteilnehmer zu. Für unzureichend abgesichert halten sich mittlerweile 38,7 Prozent. Letztes Jahr war der Wert mit 37,8 Prozent noch deutlich niedriger.

Mit Blick auf die letzten drei Jahre sehen 20,4 Prozent (2021: 23,0 Prozent) eine Verbesserung, 52,6 Prozent (2021: 58,2 Prozent) keine Veränderung und inzwischen 27,0 Prozent (2021: 18,8 Prozent) eine Verschlechterung der Absicherung.

Jeder sechste erwartet Abstriche bei der gesetzlichen Rentenversicherung

Bei den längerfristigen Erwartungen zeigt sich, dass das Vertrauen in die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) weiter abnimmt.

Rund 61,0 Prozent der Studienteilnehmer gehen von einer Verschlechterung des Versorgungsniveaus in den nächsten zehn bis 20 Jahren aus. Letztes Jahr waren es noch etwas weniger, nämlich 58,5 Prozent. 24,3 Prozent (2010: 25,3 Prozent) erwarten keinen Wandel in dieser Zeit und 14,7 Prozent (2021: 16,2 Prozent) eine Verbesserung.

Viele wollen aktiv werden. 41,3 Prozent möchten in den nächsten drei Jahren im Bereich der privaten und 31,5 Prozent im Bereich der betrieblichen Altersvorsorge etwas unternehmen.

Extreme Diskrepanzen zwischen den Altersgruppen

Der Altersvorsorge-Index fällt bei Frauen (minus 10,5) überdies deutlich pessimistischer aus als bei Männern (minus 0,6) – „sicher nicht zu Unrecht“, wie die Studienautoren meinen. Denn unter anderem erhielten Frauen aufgrund unterschiedlicher Erwerbsbiografien im Schnitt etwa 30 Prozent weniger monatliche Rente als Männer.

Die größten Unterschiede zeigen sich bei den Altersgruppen. Die 18- bis 29-Jährigen sind mit einem Index von 15,2 erheblich optimistischer als die 50- bis 65-Jährigen, deren Kennzahl bei minus 18,8 lag. Die 30- bis 39-Jährigen (Index: 1,9) und die 40- bis 49-Jährigen (Index: minus 10,4) bewegen sich zwischen den Extremen.

Zusätzliche Altersvorsorge ist unerlässlich

Die Skepsis der Befragten bezüglich ihrer bisherigen Altersvorsorge belegt, wie wichtig es für den Einzelnen ist, sich so früh wie möglich finanziell abzusichern, um nicht im Alter in die Armutsfalle zu geraten. So ist zum Beispiel eine zusätzliche Altersvorsorge über eine betriebliche und/oder private Anlageform, für die es zum Teil auch staatliche Unterstützung in Form von Zulagen und Steuererleichterungen gibt, möglich.

Selbst wenn es Änderungen beim gesetzlichen Rentensystem geben sollte, wird sich an einer grundsätzlichen Problematik, nämlich, dass schon jetzt wie auch künftig die gesetzliche Altersrente allein nicht ausreicht, um den bisherigen Lebensstandard zu halten, nichts ändern.

Schon heute erhält man, selbst wenn man 45 Jahre Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, nur rund die Hälfte des bisherigen Erwerbseinkommens als gesetzliche Rente ausbezahlt. Aktuell liegt das Rentenniveau bei rund 49 Prozent.

Für eine bedarfsgerechte Absicherung empfiehlt sich eine Beratung bei einem Versicherungsexperten. Dieser kann unter anderem berechnen, welches Alterseinkommen, also die gesetzliche Rente und sonstige Einkommen, im Alter zur Verfügung steht. Bestehen Lücken im Vergleich zum benötigten oder gewünschten Einkommen, hilft der Fachmann auch bei der Auswahl der individuell passenden Vorsorgeformen.

Quelle: (verpd)

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